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Medizin im Internet – Update 2007 Schon im Jahre 2002 stand hier ein Artikel zu diesem Thema. Inzwischen ist das Angebot im Internet immer weiter gewachsen, und die Zahl der Nutzer steigt ständig. Auch ältere Menschen sind im Netz unterwegs, oder sie lassen sich von jüngeren Verwandten und Bekannten Informationen besorgen. So wird das Internet für immer mehr Menschen eine Quelle der Information, aber auch der Verwirrung. Besonders bei chronischen oder bedrohlichen Krankheiten sucht man dort Hilfe oder Trost – aber findet man sie auch? Wie ist das riesige Angebot zu bewerten? Die meisten „Surfer“ haben schon gemerkt, daß jeder alles „in’s Netz stellen“ kann, ohne jede Kontrolle, und daß dementsprechend tatsächlich Unmengen von Informations-Müll angeboten werden. Dazwischen gibt es aber eben auch viele hochwertige und nützliche Informationen. Gerade im Medizin- und Gesundheits-Bereich findet man ein großes Spektrum, von der hochklassigen wissenschaftlichen Arbeit über nützliche, im Alltag verwertbare Hilfen bis hin zu skrupelloser Geschäftemacherei und gefährlicher Quacksalberei.
Wie kann man beurteilen, ob ein Informationsangebot im Internet vertrauenswürdig und nützlich ist? Tatsächlich braucht man einige Erfahrung, um den Wert einer Website zu beurteilen. Mit ein paar Regeln und Hilfen kann man aber lange und gefährliche Irrwege vermeiden.
In jedem Fall gilt natürlich : Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt! Z.B. können Sie ihm ja auch eine Website, die Ihnen fraglich erscheint, per e-mail zuschicken... Und wie finde ich überhaupt das, was ich suche? Auch hier muß man Erfahrung sammeln (und Lehrgeld bezahlen...).Jeder kennt Suchmaschinen wie „Google“ oder „AltaVista“, und jeder weiß auch, welche Unmengen von Treffern man bei der Eingabe z.B. einer Diagnose als Suchwort erhält. Wenn Sie auf diesem Wege weiter gehen wollen, müssen Sie also wohl oder übel die Feinheiten einer Suchmaschine erlernen, mit denen Sie Ihre Suche eingrenzen können und die Chance erhöhen, das zu finden was Sie wollen. Es gibt seit langem auch eine deutsche medizinische Suchmaschine, die sich bemüht, die medizinischen Quellen herauszusieben: www.dr-antonius.de - derzeit allerdings „wegen Wartungsarbeiten nicht am Netz“! Schon lange gibt es auch sogenannte „Portale“ für Medizin und Gesundheit, die umfangreiche Informationen (vermischt mit Werbung...) bereitstellen. Sie finden dort allgemeine Ratgeber, Lexika für Fachbegriffe, Erläuterungen zu Laborwerten, Medikamenten-Führer und manches mehr. Außerdem werden häufig Foren für Patienten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und auch – meist gegen -und als US-amerikanisches Beispiel: www.medicinenet.comGanz auf Foren spezialisiert ist www.medizin-forum.de .
In verschiedenen Zeitschriften, z.B. test, Stern und zuletzt auch ComputerBild, wurden in den letzten Jahren Bewertungen von solchen Gesundheits-Portalen veröffentlicht. Die allgemeinen Informationen wurden dabei zum größeren Teil als ordentlich eingestuft. Was aber die individuellen Ratschläge und die Betreuung der Foren betrifft, war das Urteil von test und Stern im Jahre 2004 eher negativ („Guter Rat ist selten“, „Schlechter Rat vom Online-Doc“). Die Beurteilung in ComputerBild (August 2006) war deutlich positiver. Mein Rat ist: Verlassen Sie sich nicht auf einen „Experten-Rat“ im Internet, und geben Sie nicht zu viel Geld dafür aus! Verbringen Sie auch nicht zu viel Zeit in Gesundheits-Foren! Sicherlich können Sie dort manchmal Trost, Hilfe und Tips von Leidensgenossen finden. Vielleicht stossen Sie auch auf neue Ideen. Vielleicht wird aber auch Ihre eigene Unsicherheit nur verschlimmert durch die Ratlosigkeit und Verwirrung mancher Menschen, die dort teilnehmen, oder Sie fallen auf einen der zahllosen „Geheimtips“ herein! Allgemein zu „Geheimtips“ und „neuesten Methoden“: Bedenken Sie: das neueste ist nicht immer besser. Alle Neuigkeiten sollten wissenschaftlich beobachtete Bewährungsproben bestanden haben, bevor Sie sie am eigenen Leib ausprobieren! An dieser Stelle sei noch einmal hingewiesen auf www.patienten-information.de , was ich als erste Anlaufstelle und Wegweiser empfehle! Wer in der internationalen medizinischen Literatur stöbern möchte, kann http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?db=pubmed benutzen – was aber eines Vorwissen erfordert, der Laie wird kaum einen Nutzen haben. Auch die Krankenkassen können gute Informationen bieten: versuchen Sie es mal unter www.aok.de/ , www.kbs.de (Knappschaft), www.barmer.de , http://www.dak.de/ , http://www.kkh.de/ , www.tk-online.de/ (Techniker) ! Oft (nicht immer) ist es lohnend, nach einer Website einer Patienten-Organisation oder Selbsthilfegruppe zu suchen. Manchmal stoßen Sie dort auch auf zweifelhafte Außenseiter-Meinungen... Wegweiser bieten www.selbsthilfe-saar.de und www.nakos.de . Das betacare-wissenssystem ist ein sehr fundiertes Angebot eines Arzneimittelherstellers, insbesondere zu sozialen Fragen. Auch die Medien bieten zum Teil gute Informationen, z. B. www.stern.de/wissenschaft/medizin/ : die Medizin-Themen im Stern sind erfahrungsgemäß gut und fundiert aufgearbeitet! Ein “heißes Thema” sind “Leitlinien“ für Diagnostik und Therapie, die von den medizinischen Fachgesellschaften veröffentlicht werden. Die Problematik liegt in der Frage, wie weit allgemeine Regeln für einen individuellen Fall verbindlich sein können. Trotzdem: ein Geheimnis bleibt es nicht unter www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ . Last but not least sei das Deutsche Ärzteblatt erwähnt, die offizielle Zeitschrift der deutschen Ärzteschaft, die unter www.aerzteblatt.de/v4/archiv/ sämtliche Artikel der letzten Jahre zur Verfügung stellt! und noch ein “Schmankerl”: Interessantes und polemisches zum ewigen Thema „Quacksalberei“ bietet die amerikanische website www.quackwatch.com . Eine (alte) deutsche Übersetzung gibt es leider nur noch im Netz-Archiv: http://web.archive.org/web/20020124192258/neuropsychiater.org/quackw.htm .
Fazit: Wenn Sie krank sind oder sich Gedanken um Ihre Gesundheit machen, wenden Sie sich an einen Arzt, dem Sie Ihr Vertrauen schenken – und das sollte in erster Linie Ihr Hausarzt sein. Im Internet finden Sie eventuell zusätzliche Informationen und Erklärungen. Suchen Sie aber nicht endlos und verzweifelt im Internet nach anderen Diagnosen und Therapien! Springen Sie nicht auf jeden Zug! Der Zug, der mit lautem Getöse ankommt, fährt vielleicht nach Nirgendwo... Greifen Sie nicht nach jedem Strohhalm! Strohhalme sind nur Strohhalme. Wen Sie im tiefen Wasser von Krankheit und Angst schwimmen, verschwenden Sie Ihre Kraft nicht mit der Suche nach Strohhalmen, sondern halten Sie sich über Wasser, bis eine Insel oder sogar ein Rettungsboot kommt!
Und: FRAGEN SIE IHREN ARZT!
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